Das Wichtigste in Kürze
- Ich messe meinen täglichen KI-Fußabdruck in Energie, CO₂ und Wasser, statt ihn zu ignorieren.
- Rund 50 kg CO₂ in fünf Wochen, etwa so viel wie 210 km mit dem Auto.
- Transparenz ist kein Freibrief, aber der ehrliche erste Schritt.
- Das Messwerkzeug AI-Foodprint läuft lokal und ist Open Source.
Ich spende für Klimaprojekte. Ich engagiere mich beim Klimakino, weil ich glaube, dass Geschichten Menschen schneller bewegen als Statistiken. Und ich starte jeden Morgen die KI und lasse sie den ganzen Tag mitlaufen, weil sie meine Arbeit für Kunden um ein Vielfaches schneller macht. Beides ist wahr. Beides gleichzeitig fühlt sich manchmal an wie ein Spagat.
Der Widerspruch, den ich nicht wegreden will
Es wäre bequem, jetzt zu sagen: KI verbraucht doch kaum etwas. Stimmt nur nicht ganz. Jede Anfrage zieht Strom, kühlt Rechenzentren mit Wasser und hängt an einem Netz, das noch lange nicht sauber ist. Wer den ganzen Tag KI nutzt wie ich, sammelt da etwas an.
Das kleinzureden wäre genau die Sorte Greenwashing, die ich an anderen kritisiere. Also rede ich es nicht klein. Ich messe es.
Warum ich KI trotzdem jeden Tag nutze
Weil sie für meine Kunden den Unterschied macht. Was früher Tage gedauert hat, steht heute in Stunden. Effizienz ist dabei auch eine Form von Ressourcenschonung: ein Ergebnis in einem Bruchteil der Zeit bedeutet weniger Leerlauf, weniger Doppelarbeit, weniger Wege.
Aber das ist nur dann eine ehrliche Rechtfertigung, wenn ich die andere Seite der Rechnung auch kenne. Sonst ist es eine Ausrede.
Was ich dagegen tue: messen statt schönreden
Also habe ich mir ein Werkzeug gebaut, das jeden Tag mitschreibt, was meine KI-Nutzung kostet. Nicht in Euro, sondern in Energie, CO₂ und Wasser. Es heißt AI-Foodprint, läuft lokal mit, und der Code ist offen.
Jede Session wird gemessen, die Token werden in Kilowattstunden, Gramm CO₂ und Liter Wasser umgerechnet. Aus abstrakten Zahlen werden greifbare Vergleiche: Kilometer mit dem Auto, Handy-Ladungen, Tage, die ein Baum braucht, um das wieder zu binden.
Die Zahlen, die ich mir nicht schönrechne
In rund fünf Wochen kamen bei mir gut 50 Kilogramm CO₂ zusammen, etwa 135 Kilowattstunden Strom und fast 500 Liter Wasser. Das entsprach ungefähr 210 Kilometern mit einem Verbrenner, als ich diesen Artikel geschrieben habe.
Das Dashboard läuft seitdem weiter. Heute, Stand Juli 2026, summiert sich der gemessene Zeitraum, seit ich Claude tracke (Ende April 2026), auf rund 66 kg CO₂, knapp 170 kWh und knapp 590 Liter Wasser, Äquivalent rund 265 km mit dem Auto. Die Zahlen wachsen täglich weiter und sind unten live eingebettet.
Mein Deal mit mir selbst
Transparenz ersetzt kein Engagement. Das Dashboard macht meinen Fußabdruck nicht kleiner, es macht ihn sichtbar. Mein Deal: Ich nutze KI da, wo sie echten Wert schafft, statt aus Spielerei. Ich engagiere mich für Natur und Umwelt, ohne mich damit freizukaufen. Und ich lege die Zahlen offen, auch wenn sie unbequem sind.
Wer KI im Unternehmen einführt, sollte dieselbe Frage stellen: Wisst ihr eigentlich, was eure KI-Nutzung an Ressourcen zieht? Wenn nicht, ist das Messen der erste ehrliche Schritt.
Mein KI-Fußabdruck, live
Vollansicht öffnen oder mit dem offenen Code auf GitHub deinen eigenen Fußabdruck berechnen. Claude Code und lokale Modelle (Ollama) werden gemessen, die Web-Tools (Gemini, Notion, Wispr Flow) sind grobe Schätzungen, die ich monatlich von Hand ergänze.



