Das Wichtigste in Kürze
- Meeting-Transkripte nutzt du mit KI am besten, indem du den vollen Wortlaut als Kontext übergibst und gezielt fragst, statt nur eine Zusammenfassung zu verlangen.
- KI wird durch Kontext gut, nicht durch clevere Prompts. Der vollständige Wortlaut eines Gesprächs ist der maximale Kontext.
- Nach zwei Wochen erinnerst du dich an die Stimmung eines Meetings, aber nicht mehr an Zusagen, Einwände und Zahlen. Das Transkript hält sie fest.
- Aufzeichnen nur mit Einverständnis aller Beteiligten, sensible Gespräche gesondert abwägen und das Ergebnis der KI immer von einem Menschen prüfen lassen.
Meeting-Transkripte nutzt du mit KI am besten, indem du ihr den vollständigen Wortlaut als Kontext gibst und dann gezielte Fragen stellst: Was wurde vereinbart, welche Einwände kamen, was fehlt noch. So arbeite ich, Felix Degeler, Gründer von Degeler Consulting (DC) in Wien, mit Claude. Der volle Wortlaut schlägt jeden noch so cleveren Prompt, weil die KI nicht mehr raten muss.
Ich nehme jedes wichtige Gespräch auf. Angehört habe ich noch kein einziges. Trotzdem ist jede dieser Aufnahmen Gold wert, und das liegt nicht an der Aufnahme selbst, sondern an dem, was die KI daraus macht.
Warum reicht dein Gedächtnis nach zwei Wochen nicht mehr?
Weil du dir die Stimmung eines Meetings merkst, aber nicht seine Details. Zwei Wochen nach einem guten Meeting weißt du noch, dass es gut war. Aber wer was zugesagt hat, welcher Einwand kam, welche Zahl genannt wurde? Weg.
Genau diese Details entscheiden später darüber, ob ein Projekt sauber weiterläuft. Eine vergessene Zusage wird zum Missverständnis, ein überhörter Einwand zum Konflikt im nächsten Termin.
Das Transkript hält sie fest. Nicht als Protokoll, das niemand mehr liest, sondern als Rohmaterial, auf das du jederzeit zugreifen kannst.
Was ist Kontext bei KI?
Kontext ist alles, was eine KI zu einer Aufgabe weiß, bevor sie antwortet: die Frage selbst, die mitgegebenen Unterlagen und der bisherige Gesprächsverlauf. Fehlt dieser Kontext, füllt ein Sprachmodell die Lücken mit Wahrscheinlichem, und so entstehen Antworten, die plausibel klingen und trotzdem falsch sind.
Context Engineering ist die Arbeit daran, der KI die richtigen Informationen in der richtigen Form mitzugeben, statt an den Formulierungen eines Prompts zu feilen. Die Frage lautet nicht mehr „Wie sage ich es der KI?“, sondern „Was muss die KI wissen, um gut zu antworten?“
KI wird nicht durch raffinierte Prompts gut, sondern durch Kontext. Und mehr Kontext als der vollständige Wortlaut eines Gesprächs existiert nicht. Statt der KI drei Stichwörter zu geben, auf deren Basis sie raten muss, bekommt sie alles, was tatsächlich gesagt wurde.
Wie nutze ich Meeting-Transkripte mit ChatGPT oder Claude?
In vier Schritten: mit Einverständnis aufnehmen, transkribieren, das Transkript an die KI geben, gezielt fragen. Das Vorgehen funktioniert mit ChatGPT, Claude und anderen Sprachmodellen gleich, das Werkzeug ist zweitrangig.
Schritt 1, mit Einverständnis aufnehmen: Sag zu Beginn, dass du aufzeichnest und wofür, und hol dir das Okay aller Beteiligten. Damit ist auch der Zweck klar: Die Aufnahme ist Arbeitsgrundlage, kein Beweismittel. Warum ein „bitte ohne Aufzeichnung“ meistens etwas anderes bedeutet, steht in „Bitte ohne Aufzeichnung“: Warum das meistens ein Vertrauensproblem ist.
Schritt 2, transkribieren: Viele Videokonferenz-Tools liefern ein Transkript mit, alternativ läuft die Transkription lokal auf dem eigenen Rechner. Wir nutzen bei DC ein eigenes lokales Setup mit Sprechererkennung, damit im Text steht, wer was gesagt hat. Erst diese Zuordnung macht Fragen wie „Wer hat das zugesagt?“ beantwortbar.
Schritt 3, das Transkript übergeben: Gib der KI das komplette Transkript, nicht eine Zusammenfassung davon. Ergänze zwei Sätze Rahmen: wer die Beteiligten sind und worum es im Projekt geht. Je weniger die KI raten muss, desto besser die Antwort.
Schritt 4, gezielt fragen: Stell konkrete Fragen statt „Fass das mal zusammen“. Eine Zusammenfassung glättet, eine gezielte Frage holt genau die Stelle heraus, die du brauchst. Die Antworten stützen sich dann auf das Gespräch selbst und nicht auf meine lückenhafte Erinnerung. Wie wir daraus automatisch Aufgaben machen, steht in Bei uns schreibt niemand mehr Meeting-Notizen.
Welche Prompts funktionieren für Meeting-Transkripte?
Die besten Prompts für Transkripte sind schlichte, konkrete Fragen, deren Antwort die KI mit einer Stelle aus dem Gespräch belegen kann. Diese sechs Fragen funktionieren in der Praxis:
Erstens: „Was wurde konkret vereinbart, und wer hat welche Aufgabe bis wann übernommen?“
Zweitens: „Welche Bedenken oder Einwände hatte die Gegenseite, und wie wurde darauf reagiert?“
Drittens: „Was fehlt noch, damit ich ein Angebot schreiben kann?“
Viertens: „Welche Zahlen, Termine und Namen wurden genannt? Zitiere jeweils die Stelle im Transkript.“
Fünftens: „Wo haben wir aneinander vorbeigeredet oder etwas offengelassen?“
Sechstens: „Schreib eine Follow-up-Mail an die Teilnehmenden, die nur Punkte enthält, die im Gespräch so gesagt wurden.“
Die Bitte, Stellen zu zitieren, ist die wichtigste Zutat. Du siehst sofort, ob die KI sich auf das Gespräch stützt oder etwas dazuerfunden hat.
Funktioniert das auch für eigene Texte?
Ja, dasselbe Prinzip funktioniert für Content: erst reden, dann schreiben lassen. Die Gedanken zu einem Thema hast du ohnehin im Kopf, also sprich sie einfach aus. Kein sauberer Satz nötig, keine Grammatik, der KI ist das egal. Sie macht aus dem Rohmaterial einen strukturierten Text.
Der LinkedIn-Beitrag, aus dem dieser Artikel entstanden ist, wurde genau so geschrieben. Deine Meetings produzieren jeden Tag Material dieser Qualität. Wer es nicht aufzeichnet, wirft es ungelesen weg. Mehr dazu, warum Sprechen der KI mehr liefert als Tippen: Diktieren statt tippen.
Wann solltest du Transkripte nicht an eine KI geben?
Wenn nicht alle Beteiligten eingewilligt haben, wenn das Gespräch besonders sensibel ist oder wenn du nicht weißt, wo deine KI die Daten verarbeitet. In diesen Fällen ist weniger Kontext die bessere Wahl.
Einwilligung und DSGVO: Eine Aufzeichnung braucht die Information und das Einverständnis der Beteiligten. In Österreich ist das heimliche Aufzeichnen fremder Gespräche sogar strafbar (§ 120 StGB). Das ist keine Rechtsberatung, aber die Grundregel ist einfach: Wer nicht weiß, dass aufgezeichnet wird, wird nicht aufgezeichnet.
Sensible Gespräche: Personalgespräche, Gesundheitsthemen, Konflikte oder vertrauliche Verhandlungen gehören nicht ungeprüft in ein KI-Tool. Hier entscheidest du im Einzelfall, ob überhaupt aufgezeichnet wird.
Cloud-KI oder lokale Transkription: Bei einer Cloud-KI verlassen die Inhalte dein Haus. Prüf, wo der Anbieter die Daten verarbeitet, ob sie fürs Training genutzt werden und ob es eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung gibt. Eine lokale Transkription hält zumindest die Audiodatei auf dem eigenen Rechner, der Text geht erst dann in eine KI, wenn du es entscheidest.
Transkriptionsfehler: Spracherkennung stolpert verlässlich über Namen, Firmennamen und Fachbegriffe. Aus einem Produktnamen wird ein ähnlich klingendes Alltagswort, aus einer Zahl eine andere. Gib der KI deshalb die richtigen Schreibweisen mit und prüf Zahlen gegen das Original.
Der Mensch prüft: Die KI liefert den Entwurf, die Verantwortung für Zusagen, Mails und Angebote bleibt bei dir. Warum das bei uns eine feste Regel ist, steht in Human in the Loop.
Wenn du so einen Ablauf in deinem Team aufsetzen willst, von der Aufnahme bis zur fertigen Aufgabe: Das machen wir mit Unternehmen im Mittelstand.




